Wie wurde der Wolf im Mittelalter gesehen?

Im Mittelalter, das mit dem Zusammenbruch des Römischen Reiches (476 n. Chr.) begann und etwa 1000 Jahre dauerte, wandelte sich in Europa das Bild, das sich die Menschen vom Wolf machten. Das Volk sah den Wolf als schreekerren-genden Wüterich, als Stellvertreter des Teufels oder als Werwolf, wie man einen Menschen, der sich nachts in ein schreckliches, wolfsähnliches Wesen verwandelte, nannte. Immer häufiger wurde von Wölfen berichtet, die Haustiere rissen, und zum ersten Mal auch von Überfällen auf Menschen. Erstmals wurden jetzt regelrechte Wolfsjagden organisiert, bei denen die Tiere gnadenlos verfolgt und getötet wurden.

Zugleich aber zeichnen viele Fabeln jener Zeit ein ganz anderes Bild vom Wolf, ln ihnen wird er einerseits ehrfurchtsvoll bewundert, andererseits auch lächerlich gemacht und verachtet. Noch heute ist unser Wolfsbild von ihnen geprägt. Da gibt es den etwas tölpelhaft dümmlichen Isegrim, der immer wieder von dem so viel kleineren, aber schlauen Fuchs Reinecke überlistet wird. Es scheint, dass die Menschen der damaligen Zeit gerade das, was sie besonders fürchteten, auch lächerlich machten. Vielleicht haben sie sich sogar selbst als der kleine Fuchs gesehen, der aus dem Kampf mit der übermächtigen Natur dank seiner Schlauheit am Ende doch als Sieger hervorgeht.

Hitler und der Wolf
Ein wiederum völlig anderes Bild vermittelt uns der Nationalsozialismus, in dem dem Wolf im Dienste der Propaganda eine große Bedeutung zukam. Hitler selbst wurde unter Freunden „Wolf“ genannt, befehligte seine Truppen von der „Wolfsschanze“ aus, sandte ganze „Wolfsrudel“ von U-Booten gegen die Feinde und jagte schließlich noch die „Wölflinge“, die jüngsten Angehörigen der Hitlerjugend, in den Krieg. Der Wolf galt als Sinnbild für die uneingeschränkte Herrschaft des „Führers“. Wie der Leitwolf sein Rudel angeblich zum Wohl aller führt, ging auch der „Führer“ Adolf Hitler seinem Volk als die große Leitfigur voran. Und wie die Rudelwölfe sich diesem Leitwolf angeblich bedingungslos unterzuordnen haben, galt es auch für die Deutschen, dem „Führer“ ohne Rücksicht auf Verluste zu folgen. Welch wahnwitziger Irrtum!

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